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Rhythmus-Therapie


In der Musiktherapie der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie der Hardtwaldklinik I gibt es neben den seit über 20 Jahren bewährten tiefenpsychologisch orientierten Angeboten der Einzel- und Gruppenmusiktherapie nun zunächst im Sinne eines Projektes eine weitere „Spielart“: die Rhythmus-Therapie: ein Kreis von Menschen, die sich zu dem warmen, kräftigen Klang einer Basstrommel in einem gemeinsamen Grundschritt bewegen. Dabei klatschen sie einen anderen Rhythmus mit den Händen und singen mit den entsprechenden Vorgaben des Rhythmustherapeuten melodische Silbenfolgen, die wiederum einen eigenen Rhythmus beinhalten.

Die Rhythmus-Therapie der Hardtwaldklinik basiert hauptsächlich auf der von R. FLATISCHLER entwickelten TAKeTiNa Methode. Hier geht es nicht darum, verschiedene Rhythmen einzuüben, sondern selbst Teil des Rhythmus zu werden.

Die vier Rhythmussilben Ta Ke Ti Na übermitteln keinen semantischen oder symbolischen Inhalt. Sie sind Silben der indischen Percussionsschule und bilden auf dem Fundament der Körperrhythmen Puls und Atem ein methodisches Gebäude, in dem jeder Mensch, auch der musikalische Laie, durch ein System von Rhythmus übungen Zutritt zu seiner rhythmischen Begabung bekommt.

In der Rhythmus-Therapie führen aufeinander abgestimmte Rhythmusfiguren den Einzelnen in seinem Zeitmaß in einen Zustand erweiterter Wahrnehmung und rhythmischer Meditation, während die Verbindung mit der Gruppe im rhythmischen Prozess erhalten bleibt.

Rhythmus-Therapie ermöglicht eine ganz elementare Erfahrung: gebunden zu sein, ohne festgebunden zu werden, frei zu sein, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren. Diese elementare Erfahrung erlaubt es, Ängste, Versagensgefühle, Peinlichkeiten etc. in dem durch liebevolle Achtsamkeit geprägten Gruppenklima in ermutigende, lustvolle Erfahrungen umzuwandeln. Diese strukturierte und strukturgebende Form der Rhythmus-Therapie eignet sich für Patienten mit ganz unterschiedlichem Strukturniveau. Die Rhythmus-Therapie bietet für Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen und für psychoseerfahrene Patienten die Möglichkeit, über den haltgebenden Basis rhythmus dort inneren Halt zu entwickeln, wo Haltlosigkeit und Leere ihre Spuren hinterlassen haben. 

Neurosepatienten können sich in der Rhythmus-Therapie z. B. mit dem eigenen Ehrgeiz und der zunehmenden Gelassenheit auseinandersetzen. Die Gleichzeitigkeit der verschiedenen Rhythmen fördert und fordert Loslassen von Kontrolle und von „Gut sein wollen“. Das Hören weitet sich in der Rhythmus-Therapie ebenso wie der gesamte Wahrnehmungsapparat beweglicher und sensibler werden kann. Der Zustand innerer Stille öffnet innere Fenster und Türen zu der ganz persönlichen spielerischen Kreativität. Das „aus dem Rhythmus herausfallen - und immer wieder hineinkommen“ bietet reichlich Gelegenheit für das Wahrnehmen von Parallelen und Unterschieden in den Querverbindungen des realen, „richtigen“ Lebens. Dort beklagen sich viele Menschen regelmäßig darüber, „dass nach dem Sommer der Herbst und dann gar der Winter kommt“.

Sie leiden unter dem natürlichen Rhythmus wie unter einer lästigen Gewohnheit oder sie können die Kreisabfolge der Jahreszeiten gar nicht als Rhythmus empfinden. Sie wehren sich gegen das äußere Absterben der Natur im Herbst, aus Angst vor dem eigenen inneren Absterben. Dabei geht die Einsicht verloren, dass jedes Absterben auch Reife, Erfüllung, Sättigung oder Erholung, Ruhe und Wiederaufladen bedeutet.

Wenn ich einem Rhythmus keine Pausen gönne, stirbt er vorzeitig, er kommt um...

„Ein atemloser Rhythmus ist ein Rhythmus ohne Wiederholung, eigentlich gar kein Rhythmus, sondern eine klingende Hetze“ (Hegi).  

Nicht weit davon entfernt ist die Taktlosigkeit. Im richtigen Leben wie auch in der Musik eher verpönt und zu vermeiden, ist es in der Rhythmus-Therapie keine Schande, zeitweise taktlos zu sein, sondern ganz „normal“, häufig unvermeidbar und gar freudvoll.  

Quellen:

  • Hegi, Fritz, „Improvisation und Musiktherapie“, 1986

  • Loos, Getrud, „Spielräume“, 1986

  • Flatischler, Reinhard in „du“, Heft Nr. 1, 1997

Ulrich Bach
Dipl.-Musiktherapeut
Gestalttherapeut

Animationen animierte Augen

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Aktualisiert: Juni 2010

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